Klärwerk-Partner: "Chemie stimmt"

Hans-Jürgen KühlHOHENWESTEDT Dass eine Kreisgrenze kein unüberwindliches Hindernis für eine innovative interkommunale Zusammenarbeit sein muss, beweisen die Gemeinden Hohenwestedt und Hohenlockstedt mit ihrer Kooperation in Sachen Abwasser. Die Gemeindewerke Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) übernehmen ab sofort den Betrieb des Klärwerks, des kompletten Abwasserleitungsnetzes und aller Pumpwerke in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg). Noch in diesem Jahr soll die Kooperation auf den Bereich Wasserversorgung ausgeweitet werden.

„Das ist eine Zusammenarbeit par excellence – und deshalb ging das Ganze auch so schnell“, sagte Hohenwestedts Bürgermeister Jan Butenschön, nachdem er am Dienstagabend im Rathaus des Amtes Mittelholstein zusammen mit seinem Hohenlockstedter Amtskollegen Wolfgang Wein einen öffentlich-rechtlichen Kooperationsvertrag zur Abwasserentsorgung unterzeichnet hatte. Jan Butenschön ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeindewerke Hohenwestedt (GWH), die sich ab sofort um den Betrieb des Klärwerks, der Abwasserleitungen und der Pumpwerke im 20 Kilometer entfernten Hohenlockstedt kümmern. Das Hohenlockstedter Klärwerk ist mit seiner Kapazität von 11.500 Einwohnergleichwerten (EGW) genauso groß wie sein Hohenwestedter Pendant. Das GWH übernimmt auch die beiden Mitarbeiter des Klärwerks im Kreis Steinburg.

Die dünne Personaldecke ihres Klärwerks war die Hauptmotivation für die Hohenlockstedter, sich nach einem Partner in Sachen Abwassermanagement umzusehen. „Wenn man nur zwei Mitarbeiter hat, von denen einer langfristig erkrankt ist, braucht man personelle Unterstützung“, bemerkte Hohenlockstedts 1. stellvertretender Bürgermeister Dieter Thara. Vor einem Vierteljahr inspizierten die GWH-Experten erstmals das moderne Klärwerk in Hohenlockstedt, und in der Vorweihnachtszeit übernahmen GWH-Mitarbeiter zum ersten Mal den Bereitschaftsdienst für ihre Hohenlockstedter Kollegen. „Wie haben nun geguckt, wie wir diese Zusammenarbeit verstetigen können, und das Ergebnis ist dieser öffentlich-rechtliche Vertrag“, erklärte Butenschön.

Dass ihr neuer Partner im Nachbarkreis Rendsburg-Eckernförde zu Hause ist, stellt für die Hohenlockstedter kein Problem dar. „Wir gehören zum Amt Kellinghusen, haben aber von der Stadt Kellinghusen keine solche personelle Unterstützung im Notfall bekommen wie von den Hohenwestedtern“, sagte Wein. „Wir lassen uns von einer Kreisgrenze nicht davon abhalten, uns einen leistungsstarken Partner für die Zukunft zu suchen“, betonte Hohenlockstedts 2. stellvertretender Bürgermeister Jürgen Klein: „Das ist innovativ! Und es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten!“ Was Jan Butenschön genauso sieht: „Wir haben den Vorteil, dass unsere Gemeindewerke als kommunaler Dienstleister nun noch stärker aufgestellt sind.“ Mit der Gemeinde Aukrug pflege die Gemeinde Hohenwestedt bereits seit über zehn Jahren eine Kooperation in den Bereichen Wasser und Abwasser, merkte GWH-Geschäftsführer Kay Fischer an: „Dadurch, dass nun auch Hohenlockstedt hinzukommt, werden wir noch schlagkräftiger und können Personalausfälle noch besser kompensieren – das ist eine tolle Sache!“

„Die Chemie zwischen uns stimmt“, meint Thara, „das hat alles wunderbar geklappt, und deshalb wollen wir nun schon gleich den nächsten Schritt machen und bis April auch einen Vertrag über unser Wasserwerk und unser Wasserleitungsnetz mit den GWH abschließen.“

„Wir wollen die neue interkommunale Zusammenarbeit auch auf kultureller Ebene vertiefen“, ergänzte Hohenwestedts Bürgervorsteher Carsten Wiele und kündigte an, dass die Hohenlockstedter bei der Hohenwestedt-Woche 2020 erstmals ein eigenes Hallo-Partner-Team ins Rennen schicken werden.